Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen
Zwischen Deutschland und Finnland bestehen schon lange enge wirtschaftliche Beziehungen. Bis zur Wirtschaftskrise 2009 lag der Anteil Deutschlands an den Gesamteinfuhren Finnlands stets bei rund 15 % und der Anteil an den Gesamtausfuhren bei annähernd 13 %. Sowohl die Ausfuhren wie die Einfuhren haben sich über die Jahre dynamisch entwickelt.
Der finnische Außenhandel, seit Jahrzehnten Stütze der Wirtschaft, hatte 2009 einen dramatischen Einbruch erlebt. Nach Angaben des Statistikamts waren 2009 die Exporte gegenüber dem Vorjahr um 32 % und die Importe um 31 % gesunken. Der Aktivsaldo der finnischen Handelsbilanz 2009 war der kleinste Exportüberschuss, den die finnische Wirtschaft seit 1991 erwirtschaftet hat. Nach wie vor wickelt Finnland über 70 % seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten ab, davon etwa 56 % mit den EU-Mitgliedsstaaten.
Auch der bilaterale Handel zwischen Finnland und Deutschland hat unter den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise gelitten. Trotz des Einbruchs des bilateralen Handels erzielte Deutschland 2009 mit Finnland einen Handelsüberschuss von 1,7 Mrd. €. Die Ausfuhren nach Deutschland fielen um 29 % auf 4,6 Mrd. € und die Einfuhren aus Deutschland um 28 % auf 6,3 Mrd. €. Damit hat Deutschland 2009 mit einem Anteil von 12,5 % am finnischen Außenhandel nach Russland (12,6 %) und vor Schweden (9,9 %) den zweiten Platz belegt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2010 haben sich die Importe aus Deutschland leicht (+ 4 %) und die Exporte nach Deutschland gut entwickelt (+ 10 %). Am deutschen Außenhandel ist Finnland mit einem Anteil von knapp einem Prozent beteiligt. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Finnland sind Maschinen, Kfz und Kfz-Teile, Elektrotechnik und chemische Erzeugnisse. Finnland exportiert nach Deutschland insbesondere Holzwaren, Papiererzeugnisse, Eisen- und Stahlerzeugnisse, Maschinen und Elektronik, Kfz und chemische Erzeugnisse. Die in Finnland in Lizenz gebauten Porsche-Fahrzeuge vom Typ Boxster und Cayman werden fast alle exportiert. Die Produktion wird 2011 eingestellt.
Finnische Unternehmen sind mit Investitionen in Deutschland aktiver als deutsche Unternehmen in Finnland. Finnische Investitionen erfolgten vor allem in die Papierindustrie. Rund 200 deutsche Muttergesellschaften, besonders aus den Bereichen Pharmaindustrie und Logistik, haben eine Tochtergesellschaft in Finnland. Seit einigen Jahren sind auch deutsche Firmen (Lidl, Bauhaus) in Finnland aktiv und am Markt sehr erfolgreich.
Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und Verbesserung der CO²-Bilanz errichtet Finnland ein 5. Kernkraftwerk. Es wird seit Mai 2005 am Standort Olkiluoto in Westfinnland vom deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen Areva NP (34 % Siemens) im Auftrag des finnischen Stromversorgers TVO errichtet. Vom französischen Partner stammt die Atomtechnologie, Siemens ist für die Turbinentechnik verantwortlich. Das Kraftwerk wird mit erheblicher Verspätung voraussichtlich 2012 mit einer Leistung von 1.600 MW ans Netz gehen. In Finnland ist eine Endlagerstätte für radioaktive Abfälle im Bau.
Den Handelsaustausch und die wirtschaftlichen Beziehungen fördert die Deutsch-Finnische Handelskammer in Helsinki. Die seit 1978 bestehende Kammer ist die größte bilaterale Handelskammer in Finnland. Zu ihren wichtigsten Dienstleistungen gehört die Beratung deutscher und finnischer Unternehmen in Fragen des jeweiligen Marktzugangs.